Die Berlinale
Ein Doppelleben auf der Berlinale. Es ist fĂźnf Uhr morgens, an diesem kalten Februarmorgen. Der Wecker klingelt hartnäckig. Auf zur Arbeit? In den Urlaub? Keineswegs! Der Vorverkauf der Berlinale startet heute! Warum so frĂźh? Die Kassen machen erst um 10 Uhr auf. Tja, wer die heiĂ begehrten Karten ergattern will, muss bereits im Morgengrauen auf der Matte stehen. Nach ein paar Minuten werden die ersten Filme ausverkauft sein. âSame procedure as every yearâ: geduldig Schlange stehen. Werde ich heute die Erste sein? Aber nein! Vor mir warten schon einige: stehend, sitzend manche sogar liegend. Gewappnet mit Zeitungen, Decken, Kaffee und dem Berlinale-Programm. Ein Paar bekannte Gesichter sind auch dabei. Man grĂźĂt sich. Ein Jahr ist vergangen. Welche Filme sind die Favoriten? Welche muss man unbedingt sehen? Welche werden einen Bären gewinnen? Wird George Clooney dabei sein? Clint Eastwood? Cate Blanchett? Sharon Stone oder Matt Damon? DrauĂen geht das Leben weiter, der Alltag, kalt und grau, die Monotonie, Menschen gehen zur Arbeit, es wird verhandelt, gekämpft, gewonnen, verloren, Kinder werden geboren, Kriege gefĂźhrt, Gesetze gemacht und gebrochen⌠Wir aber, hier, wir begeisterten Cineasten, sind vor all dem geschĂźtzt, in unserer kleinen Welt. So sicher in unserem kleinen kuscheligen Doppelleben vereint: FĂźr die nächsten zwei Wochen fĂźhren wir ein Parallel-Leben. Wir haben uns abgenabelt, wir sitzen alle im selben Boot. Es ist soweit: Die Kassen Ăśffnen! Schnell! Sei bereit! Deine Liste im Kopf, das Programm in der Hand. Die Liste, die gehst Du im Kopf ganz schnell nochmal durch. Sprich deutlich! Sprich schnell! Datum, Kino, Film, keine Kreditkarten, nur Bargeld. Und dann: welche Erleichterung! Aufgeregt, mit der âBeuteâ in der Hand laufen wir nach drauĂen, auf den Potsdamer Platz.
Jetzt sind sie alle da, die ausländischen Besucher, Journalisten, Filmemacher. Alle CafĂŠs sind voll. Eine Gruppe Filmfans wartet geduldig auf Cate Blanchett. Sie gibt gerade eine Pressekonferenz. Die Atmosphäre ist voller Energie, voller Erwartung. Am Abend ist es dann soweit: Die vielen Promis, die Stars, die Filmemacher steigen aus den Limousinen, posieren unter den Blitzlichtern. Die Fotografen rufen, âMiss Theron, here pleaseâ. Drinnen im Kino sind die roten Samtsessel alle besetzt. Mit etwas GlĂźck sitzt man in den vorderen Reihen, am Rand rechts. Kurz vor der Vorstellung werden Darsteller und Regisseur angekĂźndigt. Sie betreten den Raum von vorne rechts und gehen direkt an uns vorbei. Das Publikum ist gespannt. Unter den Scheinwerfern: die Stars: Charlize Theron, wunderschĂśn in ihrem blauen Pailletten-Abendkleid, schreitet elegant herein, lächelt, das Publikum klatscht begeistert. Sie ist noch schĂśner als auf der Leinwand! Jetzt wird es dunkel. Der Film beginnt. Spätestens jetzt steht fest: Morgenstundâ hat Gold im Mund.






